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Interview mit einem Boreout-Betroffenen

Angestellter in einem Grossunternehmen in Bern, administrativer Bereich

1. Wie haben Sie gemerkt, dass sich bei Ihnen ein Boreout anbahnt?

Dies hat sich nach und nach aus meiner Situation heraus ergeben. Zunächst hatte ich zuwenig Arbeit und die mir übergebenen Aufgaben unterforderten mich. Mit der Zeit fühlte ich mich mehr und mehr fehl am Platz, habe begonnen meinen Arbeitsrhythmus zu verlangsamen und wurde allgemein unglücklich mit meiner Anstellung. Ich zähle mich jedoch nicht zu einem typischen „Boreout-Patienten“, da ich keine Verheimlichungsmanöver angewendet habe: ich beispielsweise nicht morgens der Erste da und gehe abends auch nicht als Letzter nach Hause.

2. Was waren die Anzeichen (körperliche/seelische)?

Körperlich hat sich dies nicht ausgewirkt. Lediglich abends nach der Arbeit war ich immer erschöpft und müde, obwohl ich den ganzen Tag nichts Produktives gemacht habe. Natürlich fängt man auch an, den Fehler bei sich zu suchen und stellt seine eigene Kompetenz in Frage.

3. Seit wann leiden Sie daran?

Dies hält seit ca. einem Jahr an. Als ich meine neue Stelle begonnen hatte, war ich bereits nach kurzer Zeit unterfordert und auch nicht ausgelastet. Dies ist doch bereits ein längerer Zeitraum.

4. Weshalb haben Sie nichts geändert?

Ich suchte immer wieder das Gespräch zu meinem Vorgesetzten und hatte dadurch auch immer wieder die Hoffnung, es könnte sich doch noch etwas ändern. Als ich diese Stelle antrat, war ich hoch motiviert. Dies wollte ich nicht voreilig aufgeben.

5. Was ist der „Auslöser“ für Ihr Boreout?

Es ist eine Kombination aus zu wenig Arbeit und anderseits Unterforderung. Mit meiner wachsenden Demotivierung ist auch das Interesse am Unternehmen verloren gegangen.

6. Haben Sie mit Ihrem Vorgesetzten über Ihre Lage gesprochen? Falls ja, wie hat er reagiert?

Nach drei Monaten hatte ich zum ersten Mal ausgesprochen, dass ich noch freie Kapazitäten hätte und gerne mehr Aufgaben übernehmen würde. Grundsätzlich hat mein Vorgesetzter gut darauf reagiert und mir versprochen, mich mit weiteren Aufgaben zu betreuen. Leider waren dies nur leere Worte. In der Zwischenzeit habe ich bei weiteren Gelegenheiten dieses Thema nochmals angesprochen. Ich werde immer wieder nur weitervertröstet.

7. Was haben Sie sonst noch getan, um Ihre Arbeitssituation zu verbessern?

Für kurze Zeit hatte ich noch in einer anderen Abteilung unseres Unternehmens mitgearbeitet, wobei dies nur befristet war.

8. Hat Ihre derzeitige Arbeitsbefindlichkeit auch Auswirkungen auf das Privatleben?

Ich versuche dies nicht auf mein Privatleben zu übertragen, aber natürlich hat diese ständige Langeweile auch Auswirkungen auf meine Freizeit. Vielfach fühle ich mich matt und antriebslos. Ich lasse manche Dinge auch eher schleifen und bin nicht mehr so zielstrebig.

9. Was sind Ihre nächsten Schritte, wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Mittlerweile hoffe ich nicht mehr auf eine Verbesserung bei meiner Arbeitsstelle und werde versuchen, eine neue Anstellung zu finden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, mich wieder für meinen jetzigen Arbeitgeber motivieren zu können.

 

Text und Interview: Franziska Borter

 

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Zuletzt verändert 22.04.2008 12:21